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Google Fonts und DSGVO: lokal einbinden
Schriften sind der Fall, in dem ein Cookie-Banner nichts hilft: Der Browser holt sie, bevor irgendein Skript läuft. Diese Seite erklärt, warum das rechtlich relevant ist, wie man Google Fonts lokal einbindet und wo sich externe Schriften nach der Umstellung noch verstecken.
Was beim Einbinden von Google Fonts passiert
Der Standardweg, eine Google-Schrift zu nutzen, ist eine Zeile im Kopf der Seite, die ein Stylesheet von Google einbindet. Dieses Stylesheet verweist wiederum auf die eigentlichen Schriftdateien. Der Browser holt also nacheinander zwei Dinge von Google, bevor die erste Zeile Text gezeichnet wird.
| Schritt | Ziel | Inhalt |
|---|---|---|
| 1 | fonts.googleapis.com | Das Stylesheet mit den @font-face-Regeln |
| 2 | fonts.gstatic.com | Die Schriftdateien im Format woff2 |
Bei beiden Verbindungen erfährt Google die IP-Adresse des Besuchers, die aufgerufene Seite als Referrer und
die üblichen Browser-Header. Dazu kommt oft ein preconnect-Hinweis im Kopf, der den Browser
anweist, die Verbindung schon vor dem eigentlichen Abruf aufzubauen. Auch dieser Hinweis allein erzeugt
eine Verbindung zu Google, selbst wenn danach keine Schrift geladen wird.
Warum ein Cookie-Banner hier nichts ändert
Ein Consent-Tool blockiert Skripte. Es hält Google Analytics, den Meta-Pixel oder ein YouTube-Video zurück, bis jemand zustimmt. Schriften werden aber nicht per Skript geladen, sondern per Stylesheet, und der Browser holt sie, bevor das Banner überhaupt gezeichnet ist. Kein gängiges Consent-Tool greift an dieser Stelle ein.
Die Messung bestätigt das. Auf Websites mit erkanntem Cookie-Banner laden 25,4 % ihre Schriften vor der Einwilligung extern, auf Seiten ohne Banner 26,1 %. Der Unterschied ist Rauschen. Wer glaubt, mit dem Banner sei das Thema erledigt, irrt auf jeder vierten Seite.
Daraus folgt auch: Eine Einwilligung für Schriften ist praktisch nicht umsetzbar, ohne die Seite umzubauen. Die Lösung ist keine Einwilligung, sondern das Weglassen der Verbindung.
Rechtslage: das Münchner Urteil und was daraus folgt
Im Januar 2022 hat das Landgericht München I einem Besucher 100 Euro Schadensersatz zugesprochen, weil eine Website Google Fonts per Link von Google geladen und dabei seine IP-Adresse übertragen hatte (Urteil vom 20.01.2022, Az. 3 O 17493/20). Das Gericht stützte sich darauf, dass die dynamische IP-Adresse ein personenbezogenes Datum ist und dass der Betreiber die Schriften genauso gut lokal hätte einbinden können. Damit fehlte nach Auffassung des Gerichts ein berechtigtes Interesse an der externen Einbindung.
Das Urteil ist eine erstinstanzliche Entscheidung und keine bindende Regel für andere Gerichte. Es zeigt aber das Argument, das trägt: Wenn eine datensparsame Alternative technisch trivial ist, lässt sich die Verbindung schlecht rechtfertigen. Auf die Abmahnwelle, die das Urteil auslöste, folgten Ermittlungen gegen Beteiligte. Das ändert nichts an der Sachlage, dass der Weg ohne Verbindung der unproblematische ist.
Einordnung: Wir nennen das in unseren Messungen eine eigene Achse und zählen Schriften nicht in die Tracking-Quote. Eine Schriftart profiliert niemanden. Sie überträgt aber die IP-Adresse an einen US-Konzern, und genau darum ging es in München. Der Befund heißt deshalb Befund, nicht Verstoß: Er benennt eine vermeidbare Verbindung.
Google Fonts lokal einbinden: Schritt für Schritt
Die Schriften stehen überwiegend unter der SIL Open Font License oder der Apache-Lizenz. Beide erlauben ausdrücklich, die Dateien herunterzuladen und auf dem eigenen Server auszuliefern. Prüfen Sie die Lizenz der einzelnen Schrift auf der Seite von Google Fonts.
1. Dateien beschaffen
Laden Sie die Schrift auf der Seite von Google Fonts herunter oder nutzen Sie einen Dienst wie den google-webfonts-helper, der fertige woff2-Dateien samt CSS liefert. Für Projekte mit Paketverwaltung gibt es die Schriften auch als npm-Pakete bei Fontsource. Sie brauchen nur die Schnitte, die Sie wirklich verwenden, und in der Regel nur das Format woff2.
2. Auf den Server legen und deklarieren
@font-face {
font-family: 'Inter';
font-style: normal;
font-weight: 400;
font-display: swap;
src: url('/fonts/inter-latin-400.woff2') format('woff2');
}
@font-face {
font-family: 'Inter';
font-style: normal;
font-weight: 700;
font-display: swap;
src: url('/fonts/inter-latin-700.woff2') format('woff2');
}
3. Die Verbindung zu Google entfernen
Diese Zeilen müssen aus dem Kopf der Seite verschwinden:
<link rel="preconnect" href="https://fonts.googleapis.com">
<link rel="preconnect" href="https://fonts.gstatic.com" crossorigin>
<link href="https://fonts.googleapis.com/css2?family=Inter:wght@400;700&display=swap"
rel="stylesheet">
Ebenso @import url('https://fonts.googleapis.com/...') in Stylesheets. Ein
preconnect auf Google ohne anschließenden Abruf ist weiterhin eine Verbindung.
4. Die wichtigste Datei vorladen
<link rel="preload" href="/fonts/inter-latin-400.woff2" as="font"
type="font/woff2" crossorigin>
Das hält die Ladezeit der Seite konstant oder verbessert sie, weil der Umweg über zwei fremde Hosts mit eigenem Verbindungsaufbau entfällt.
Wo sich externe Schriften nach der Umstellung verstecken
Die Umstellung im eigenen Stylesheet ist der leichte Teil. Die Messung zeigt regelmäßig, dass danach noch Verbindungen übrig sind.
- Theme-Einstellungen. Viele Themes lassen die Schriftauswahl in den Optionen und laden Google Fonts selbst, unabhängig vom Stylesheet.
- Page-Builder. Builder bringen eigene Schriftlisten mit und binden die gewählten Schriften beim Rendern ein. Manche haben eine Option für lokales Laden, die nicht standardmäßig aktiv ist.
- Plugins. Formulare, Slider, Kalender und Cookie-Banner bringen eigene Stylesheets mit, in denen Google Fonts per Import stehen.
- Icon-Schriften. Material Icons und ähnliche Symbolschriften werden oft ebenfalls von Google geladen.
- Eingebettete Widgets. Karten (Google Maps), Videos (YouTube) und Bewertungs-Widgets laden ihre eigenen Schriften, auch wenn Ihre Seite keine externe Schrift mehr nutzt.
- Tag-Manager. Ein Tag kann Stylesheets nachladen, die in keiner Vorlage stehen.
- Cache und Optimierer. Ein Plugin, das Stylesheets bündelt, kann ältere Stände mit Google-Verweis ausliefern. Cache leeren und neu messen.
Adobe Fonts und andere Schriftdienste
In der Messung stehen neben Google Fonts auch Adobe Fonts (use.typekit.net): 66.328 Websites
laden sie vor der Einwilligung. Das Prinzip ist dasselbe, die Lösung ist es nicht. Adobe Fonts ist ein
Abonnement-Dienst, dessen Schriften nach den Lizenzbedingungen nur über Adobe ausgeliefert werden dürfen.
Lokales Hosting ist dort nicht vorgesehen. Wer die Verbindung vermeiden will, wählt eine Schrift mit
offener Lizenz oder erwirbt eine Lizenz für Selbst-Hosting bei einer Schriftgießerei.
Plattformen und Baukästen
Wie viele Seiten betroffen sind, hängt stark vom System ab. In unserer Messung laden vor der Einwilligung extern: Squarespace 63,7 %, Webflow 51,9 %, WordPress 36,2 %, Shopify 26,2 %, Wix 10,6 %, TYPO3 8,6 %. Auf Baukasten-Plattformen ist Ihr Handlungsspielraum kleiner. Dort bleibt oft nur, eine Schrift zu wählen, die die Plattform selbst ausliefert, oder eigene Schriftdateien hochzuladen, soweit die Plattform das erlaubt. Bei WordPress, TYPO3 und Shopify lässt sich lokales Hosting umsetzen, bei WordPress auch mit einem Plugin, das die Dateien herunterlädt und die Verweise umschreibt.
Datenschutzerklärung
Wer Google Fonts lokal hostet, braucht in der Datenschutzerklärung keinen Abschnitt zu Google Fonts mehr, weil keine Verbindung zu Google besteht. Verweisen Sie stattdessen auf die lokal eingebundenen Schriften, wenn Sie die Transparenz erhöhen möchten. Löschen Sie den alten Abschnitt nicht, solange noch Verbindungen bestehen. Er soll zur Wirklichkeit passen, nicht zur Absicht.
Merksatz: Bei Schriften ist die Lösung eindeutig: lokal hosten. Das braucht keine Einwilligung und keinen Banner.
Für Agenturen: ein Standard für alle Kundenprojekte
- Schriften lokal als Projektstandard. Im Starter-Theme liegen die Dateien im Repository, nicht auf einem fremden Server.
- Eine Prüfung im Relaunch. Ein Scan der fertigen Seite in einem frischen Browser, bevor der Kunde sie sieht. Verbindungen zu fonts.googleapis.com oder fonts.gstatic.com sind ein Prüfpunkt.
- Bestand abarbeiten. Kundenseiten aus den Jahren vor 2022 laden Schriften fast immer extern. Eine Liste aller Mandanten mit Treffer ist die Aufgabenliste für einen Nachmittag.
- Wiederholte Messung. Plugins und Theme-Updates bringen Verbindungen zurück.
Complianty legt für extern geladene Schriften ein eigenes To-Do mit der Priorität Wichtig an, dessen Lösung das lokale Hosting ist, getrennt von den Tracking-Befunden.
So prüfen Sie das Ergebnis
- Seite in einem privaten Fenster öffnen, Entwicklerwerkzeuge und Reiter Netzwerk öffnen, dann neu laden.
- Das Cookie-Banner nicht bedienen.
- Nach
fonts.googleapis,fonts.gstaticundtypekitfiltern. Es darf kein Treffer erscheinen. - Im Reiter Schriften prüfen, dass die Dateien von Ihrer eigenen Domain kommen.
- Im Quelltext nach
fonts.gsuchen, um Verweise zu finden, die nur in bestimmten Zuständen laden. - Jede Unterseitenvorlage prüfen, nicht nur die Startseite: Blog, Shop, Kontakt, Kasse.
Was dieser Ratgeber nicht leistet
- Der Ratgeber ist keine Rechtsberatung. Das Münchner Urteil ist eine erstinstanzliche Entscheidung. Wie andere Gerichte entscheiden, kann abweichen.
- Die Lizenzen einzelner Schriften ändern sich nicht oft, aber sie können sich unterscheiden. Prüfen Sie die Lizenz jeder verwendeten Schrift.
- Der Scanner sieht, was beim Laden einer Seite im Browser passiert. Schriften, die nur in einem Bereich hinter Login oder nach einer Interaktion geladen werden, sieht er nur, wenn der Bereich erreichbar ist.
- Die Plattformquoten stammen aus unserer Messung deutscher Websites und können sich mit Updates der Plattformen ändern.
Häufige Fragen
Darf ich Google Fonts auf meiner Website verwenden?
Ja, wenn Sie die Schriften auf Ihrem eigenen Server ausliefern. Die Lizenzen erlauben das ausdrücklich. Der Weg über das Stylesheet von Google verbindet den Browser bei jedem Aufruf mit Google und ist der kritische Fall.
Reicht ein Cookie-Banner für Google Fonts?
Nein. Schriften laden per Stylesheet, bevor ein Banner erscheint, und gängige Consent-Tools greifen dort nicht ein. Auf Seiten mit Banner laden 25,4 % ihre Schriften trotzdem extern.
Wie hoch war der Schadensersatz im Münchner Urteil?
Das Landgericht München I sprach dem Kläger 100 Euro zu (Urteil vom 20.01.2022, Az. 3 O 17493/20). Es ist eine erstinstanzliche Entscheidung, aber sie zeigt die Argumentation: Eine datensparsame Alternative lag auf der Hand.
Muss ich auch den preconnect-Hinweis entfernen?
Ja. Ein preconnect auf fonts.googleapis.com oder fonts.gstatic.com baut die Verbindung zu Google auf, auch wenn danach nichts geladen wird.
Wie finde ich heraus, ob meine Seite noch Google Fonts lädt?
Im Netzwerk-Reiter der Entwicklerwerkzeuge nach fonts.googleapis und fonts.gstatic filtern und neu laden, ohne das Banner zu bedienen. Ein Scan in einem frischen Browser prüft jede Unterseite und zeigt die Verbindung samt Aufrufer.
Was ist mit Adobe Fonts?
Adobe Fonts wird über Adobes Server ausgeliefert, lokales Hosting ist nach den Lizenzbedingungen nicht vorgesehen. Wer die Verbindung vermeiden will, wählt eine Schrift mit offener Lizenz oder lizenziert eine Schrift für das Selbst-Hosting.
Was ist mit Google Material Icons?
Symbolschriften werden oft ebenfalls von Google geladen. Sie lassen sich genauso lokal bereitstellen. In der Prüfung zeigen sie sich als Verbindung zu fonts.googleapis.com.
Verlangsamt lokales Hosting die Seite?
In der Regel nicht, im Gegenteil: Der Weg über zwei fremde Hosts mit eigenem Verbindungsaufbau entfällt. Mit font-display: swap und einem Preload der wichtigsten Datei bleibt die Darstellung stabil.
Weitere Ratgeber
Quellen
- Landgericht München I, Urteil vom 20.01.2022, Az. 3 O 17493/20 · Google Fonts, Schadensersatz
- DSGVO, Verordnung (EU) 2016/679 · Art. 6, Art. 82
- EuGH C-582/14, Breyer · Dynamische IP-Adresse als personenbezogenes Datum
- Google Fonts: Datenschutz und Datenerhebung · Angaben des Anbieters
- google/fonts auf GitHub: Lizenzen und Selbst-Hosting · Lizenz je Schriftfamilie, Hinweise zum Selbst-Hosting
- Adobe Fonts: Lizenzierung von Webfonts · Kein Selbst-Hosting nach den Bedingungen
- Fontsource: Schriften als npm-Pakete · Selbst-Hosting mit Paketverwaltung
Wie Complianty das misst
Der Scanner zeichnet in einem frischen Browser auf, welche Verbindungen vor und nach der Einwilligung entstehen. Die Dokumentation beschreibt das Verfahren und seine Grenzen. Ohne Anmeldung lesbar.
- Wie der Scanner misstZwei Phasen, ein echter Browser, und die Frage, was vor der Einwilligung passiert.
- Der Werkzeug-KatalogWie Signaturen aufgebaut sind und wie unbekannte Dienste behandelt werden.
- Der Beweis zu jedem BefundJeder netzwerkbasierte Befund trägt eine eingefrorene Momentaufnahme dessen, was genau dieser Scan gesehen hat.